SA 05.11.2005

BWP wird 1

Yo, dicke Session so to say. 6 Stunden Jam am Stück, doppelte Mauszeiger auf Trans Alps Schleppi, Karl Toon an den Wänden und Freibier/Wasser/Saft unterm Tisch, Freunde, die einen ablenkten, viele Geburtstagskinder und eine große Menge an Gästen.



















Review::::

Die Nostalgie trieb die alten l'houpgänger in die Spur, dazu die Freunde der BWP mit hinzu. Es ist bestimmt nicht übertrieben, wenn man von 200 Gästen über den Abend verteilt sprechen kann. Am Anfang war es superleer, aber es wurde dann schnell voller, bis es so gegen 0 Uhr rum richtig voll war und von da an dann gemäßigt bis 4 weiterging.

Den Subwoofer hatten wir bewußt weit im Raum positioniert. Denn schon am Anfang wurde uns klar gemacht, dass noch ein Verfahren am Laufen sei und deswegen kein Stress mit den Nachbarn provoziert werden dürfe. Schon länger hatte nix mehr im alten l'houp aus diesem Grunde stattgefunden. Und wir drehtem die Anlage trotzdem weit auf. Phil hatte mich schon angesteckt mit der Para bezüglich Lautstärke, aber hey, wir kamen insgesamt prima ohne behördlichen oder nachbarlichen Stress durch den Samstag Abend. Aber mit dickem Sound machts schon extra viel mehr Spaß.

Die Musiker standen ziemlich im Mittelpunkt des Hauptraumes hinter einer Anrichte, was mich als einer der Musiker eher irritiert hatte. Noch nie hatten wir vor einem so großen und relativ bewußten und informierten Publikum gespielt. Und die Meinungen zu uns waren auch verschieden.

Man bezeichnete uns als Pseudo-DJ's, einigen Damen wars zu langweilig und monoton und viele wussten nicht, dass wir freie Session machten. Für einige aus dem Publikum wurde es dann klar, spätestens als sie selber hinter die Maschinen gezogen wurden oder vom Gsteraum ab und zu an den Knöpfen drehten. Genauso wie Aries Fiktion Knut, der später am Abend noch zu uns stoss und an Hagbards Rechner übernahm. Beim Mikro-Liveacting kamen auch die verschiedensten Stimmgeber zum Einsatz, wobei am Ende eher Noise aus den Lautsprechern kam. Es war eindeutig kaum softer Sound an diesem Abend zu hören.

Dieses Rave-O-Lution vom WBS ist aber auch wirklich spannend und toll. Ideal auch für minimale dicke Beats. Macht schon Spaß, an so ner Maschine zu schrauben. Man hat alles dran, was das Herz begehrt. Sequenzer, eine intuitive Oberfläche und eine Menge 'Knobs', Drehknöpfe. Geil!

Der verwöhnte Geist hätte wohl gerne einen geschmacklich loungigen Hit nach dem anderen erlebt, aber bei uns gabs eher action und experimentelles Zusammenmischen zwischen 134 und 40 Bpm. Soundmäßig wars manchmal echt grenzwertig, weil wir ja auch allesamt fast unvorbereitet die instant Tracks zusammenschusterten und dabei mit Programmen arbeiten, die eher Spaß machen, als für ihren Mega-Sound bekannt sind. Aber dafür, dass alles frei und auf den Moment bezogen war, sind uns recht gute Collagen gelungen, vor allem im Zusammenspiel. Und es gab dann auch gutes Feedback auf die Musik. Am besten wars wohl, als einer der Gäste feiernd zum Pult kam und fragte, was denn da gerade für Musik liefe. Ich habe das mal als Kompliment aufgefasst. Und es war unikat in diesem Moment entstanden und kann nie wieder so reproduziert werden. Aber ich könnte mir auch denken, dass es viel Kritik geben könnte. wenn ja, dann Her damit!

Wie meistens wurde auch mal wieder nichts mitgeschnitten, obwohl ein Mitschnitt hätte recht kurzweilig sein können. Aber egal, die nächste Session kommt bestimmt.

Und ich hoffe auf weiterhin so tolerantes und interessiertes Publikum. Vielleicht muss man den Freestyle-Charakter der phonocake-audioLAB sessions etwas mehr rüberbringen, um klarzumachen, dass es eben nicht so Gegebenheiten wie bei einem durchweg vorbereiteten Liveact sind. Da holperts, ruckelts, brichts ab, stürzt ab, muss man auch mal alleine weitermachen, kann auch mal beim anderen am Gerät basteln oder einer aus dem Publikum macht weiter. Da werden instant im Flow völlig neue Sets live entworfen oder alte Sets einfach auf gut Glück reingebracht. Der perfektionistische feinhörige Geist kriegt da Pickel und Ausschlag, der poetisch freie Geist kriegt das Grinsen bei all diesem Chaos. Aber ich denke, für die Musiker und die Crowd ist so musikalisches Chaos ganz unterhaltsam. Ausserdem ist der Weg der Erfahrung eng mit dem Weg des Probierens verbunden.

txt: pm | Fotos: wbs + friends

Weitere Rückblicke bei banq.de

Nokopi - The Shop


zurück zum audioLAB START